Erstaunt werden Sie fragen, was Möbel mit Büstenhalter zu tun haben. Das haben sie ja auch nicht, außer man denkt um die Ecke und bezieht den Kaffeeröster Tchibo mit ein. Bitte beteiligen Sie sich doch einmal an diesem „Um-die-Ecke-denken“.

Heinz G. GüntherOlaf GüntherDie Autoren: Die Möbel-Experten Heinz G. und Olaf Günther, bekannt aus über 30 TV-Reportagen in RTL, SAT1 und ARD.

Beginnen wir mit den Möbeln, genauer mit dem Möbelverkauf. Noch genauer mit der Frage: Wer verkauft die Möbel und in welchem Umfang? Die Fachleute nennen das Möbeldistribution nach Marktanteilen. Tabellen geben Auskunft.

Ein solche stammt vom EHI Möbelreport Mai 2006 und ist in der Zeitschrift „Spot Markt“ Nr. 290 des Holzmann Verlags, Hamburg, erwähnt. Ich ziehe die Zahlen zum Zwecke unserer Betrachtung zusammen. Demnach verkaufen Möbel zu

  • 75,9%: Möbelfachhandel;
  • 23,4%: Direktabsatz, Handwerk, Großhandel, Bürohandel, Warenhäuser, Versandhandel, Verbrauchermärkte, Baumärkte, Techn. Fachhandel;
  • 0,7%: Branchenfremde.

Um letztere geht es. Wenn ihr Marktanteil auch unbeachtlich klein erscheint, zeigt sich doch wachsende Tendenz. Denn die Fremden sind bekannte Erfolgsunternehmen. Tchibo (TCM) ist so einer. Wer kennt ihn nicht?

Bei Tchibo geht es längst nicht mehr nur um Kaffee. Mehr als 90% der Erträge werden mit Gebrauchsartikel und Dienstleistungen erzielt, hat die Zeitschrift Handelsblatt recherchiert. Die Verbraucher fiebern förmlich dem entgegen, was denn Tchibo wohl als nächste Ware oder Dienstleistung bringen wird. Das ist bereits Kult geworden. Warten Sie nicht auch gespannt darauf, was Tchibo als nächstes bieten wird?

Beispielsweise waren es einmal und dann immer öfter Dessous. Und so kam es, dass statistisch gesehen inzwischen jede zweite Frau einen TCM-BH trägt. Das Handelsblatt ist Zeuge.

Auf der Suche nach Waren fiel das Tchibo-Auge natürlich auch auf Möbel. Selbstredend zunächst nur auf Kleinmöbel. Schön, wenn irgendein solches Stück so toll verscherbelt werden könnte wie die BH. Glauben Sie jetzt auch, dass beides über die Ecke gedacht miteinander zu tun hat?

Aber irgendwie läuft die Sache mit den Möbeln anders. Mir scheint, Tchibo sieht davon ab, mehr Möbel in seine Angebote aufzunehmen. Er will seinen Marktanteil an der Möbeldistribution wohl doch nicht ausweiten. Ob das ein Abwehrsieg der Möbelbranche ist, wage ich zu bezweifeln. Denn Tchibo ist schlau und hat inzwischen ausprobiert, wie er das Möbelding noch besser packen kann.

Sie kennen doch diese einheitlich ausschauenden Tchibo-Ecken, die Sie in den unterschiedlichsten Fachmärkten, Lebensmittelläden usw. finden. Genau solche so genannten Depots eröffnet er jetzt in Möbelhäusern. Damit entgeht er den Schwierigkeiten, welche die Distribution sperriger Möbel mit sich bringt und befindet sich dennoch mitten im Möbelverkaufsgeschehen. Das dürfte sich für ihn auszahlen.

Der Möbelhandel profitiert ebenfalls. Das Kalkül: Wenn jemand erfährt, dass es im Möbelhaus auch Tchibo-Artikel gibt, geht er viel öfter dort hin. Frequenzbringer nennen das die Marketingleute. Ferner mindert sich für den Möbelfachhandel die Gefahr, dass sich sein Marktanteil an der Möbeldistribution zugunsten eines Branchenfremden verschiebt.

Jetzt werden Sie sicher wissen wollen, ob es schon Möbelhäuser gibt, in denen man Tchibo begegnet. Ich nenne Ihnen eines:

Möbel Feldmann, 48499 Salzbergen
www.moebel-feldmann.de

Bei allem eine Bitte: Wenn Sie in der Tchibo-Ecke irgendetwas Kultiges gekauft haben und Sie wenden sich traumverloren den Möbeln zu, wachen Sie auf und halten Sie an der Strategie des 5-Schritte-Möbeldeals aus dem Ratgeber Clever Möbel kaufen fest.

Heinz G. GüntherTV-Möbelexperte Heinz G. Günther warnt vor Abzocke: "Kaufen Sie keine Möbel, bevor Sie nicht diesen Bericht gelesen haben!"


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